Von Ted Grant.
Veröffentlicht in Socialist Appeal. Nr. 66, Jänner 1949.
In Anbetracht des spektakulären Vorstoßes der chinesischen Roten Armee diskutieren die Diplomaten in den Außenministerien in Amerika und Großbritannien ernsthaft die Perspektive eines vollständigen Zusammenbruchs des Chiang Kai-shek Regimes. Betrübt schreibt die gesamte kapitalistische Presse über die Aussicht, dass der Norden und Zentralchina bis zum Jangtse unter stalinistische Herrschaft geraten könnten.
Drei Jahre nach dem Kollaps des japanischen Imperialismus hat die Rote Armee die Mandschurei und den Großteil Nordchinas erobert. Die chinesische Hauptstadt Nanjing und Shanghai, die reichste Stadt Chinas mit fünf Millionen Einwohnern, sind für die Rote Armee zum Greifen nah. Das Gebiet, das bereits von den Stalinisten kontrolliert wird, hat über 170 Millionen Einwohner.
Die britischen Kapitalisten, deren Investitionen in China sich auf 450 Millionen Pfund belaufen, sind bestürzt über den drohenden Verlust dieses lukrativen Investitionsfeldes. In einem vergeblichen Versuch, China für die imperialistische Ausbeutung zu retten, gewährte der amerikanische Imperialismus, in dessen Einflussbereich China mit der Schwächung der übrigen imperialistischen Kräfte während des Kriegs fiel, der Kuomintang-Regierung Hilfen in Höhe von drei Milliarden Dollar.
Die amerikanischen Imperialisten begreifen nun allmählich, dass sie mit weiteren Hilfen nur gutes Geld aus dem Fenster schmeißen würden. Trotz aller militärischen und technologischen Vorteile, die die Kuomintang in der frühen Phase des Bürgerkriegs nach dem Weltkrieg hatte, erlitten sie nun eine Niederlage nach der anderen. Das Kuomintang-Regime unter der diktatorischen Herrschaft von Chiang Kai-shek, vertritt die feudalen Großgrundbesitzer und Kapitalisten. Es wird kontrolliert von einer ganz und gar korrupten Militärclique, die die Arbeiter und Bauern unterdrückt und sich an ihren Herren bereichert.
Chiangs Aufstieg
Chiang Kai-shek kam nach der Niederlage der chinesischen Revolution 1925–27 an die Macht, in der er die Rolle des obersten Schlächters der Arbeiterklasse spielte. Die Politik von Stalin und Bucharin und der Führung der Kommunistischen Partei Chinas verhalfen ihm zu diesem Erfolg.
Ihre Politik bestand damals darin, ein Bündnis mit den chinesischen Großgrundbesitzern, Kapitalisten und feudalen Kriegsherren einzugehen – angeblich im Interesse des Kampfes gegen den Imperialismus. Infolgedessen sabotierten sie die Versuche der Arbeiter, die Fabriken zu übernehmen und die der Bauern, das Land zu nehmen. Ein »kommunistischer« Arbeitsminister sabotierte Streiks und bestrafte streikende Arbeiter. Ein »kommunistischer« Landwirtschaftsminister ließ Bauern niederschießen, die versuchten sich das Land zu nehmen.
Eine sympathisierende Sektion
Die kapitalistische Kuomintang wurde als sympathisierende Sektion in die Kommunistische Internationale aufgenommen. Die Rolle der Stalinisten wird in Die dritte Internationale nach Lenin von Trotzki mit folgender Anmerkung erklärt:
»Die Kuomintang wurde Anfang 1926 als sympathisierende Partei in die Komintern aufgenommen. Die einzige Gegenstimme gegen diese Entscheidung im Politbüro gab Trotzki ab. Hu Hanmin, der Führer des rechten Flügels der Kuomintang, nahm im Februar 1926 am 6. Plenum der Komintern teil. Shao Li-tse, ein Henkersknecht Chiang Kai-sheks, war als beobachtender Delegierter auf dem Siebten Plenum des EKKI [Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale] im November 1926 anwesend.«
Am 21. und 22. März 1927 nahmen die Arbeiter von Shanghai die Stadt ein. Sofort begann Chiang mit den Vorbereitungen, sie abzuschlachten. Er konspirierte mit den Imperialisten, um die Arbeiter niederzuschlagen.
Anstatt den Kampf vorzubereiten, sicherten die Stalinisten Chiang volle Unterstützung zu. Die offizielle Zeitschrift International Press Correspondence (französische Ausgabe) der Komintern schrieb: »Weit davon entfernt, Uneinigkeit zu stiften, wie die Imperialisten behaupten, hat die Kuomintang ihre Reihen nur noch mehr gestärkt.«
Am 30. März schrieben sie:
»Eine Spaltung der Kuomintang und Feindseligkeiten zwischen dem Proletariat von Shanghai und den revolutionären Soldaten sind derzeit absolut ausgeschlossen … Chiang Kai-shek … erklärte selbst, dass er sich den Entscheidungen der Partei unterwerfen werde … Ein Revolutionär wie Chiang Kai-shek wird nicht, wie die Imperialisten glauben machen wollen, zu Zhang Zuolin (dem Militaristen aus dem Norden) überlaufen, um gegen die Emanzipationsbewegung zu kämpfen …«
Chiang organisierte einen Putsch, massakrierte die Arbeiter, verbot die Gewerkschaften, die Bauernorganisationen und die Kommunistische Partei und entrechtete die Massen.
Die Massen waren ganz und gar besiegt und die Überreste der Führung der Kommunistischen Partei Chinas flohen in die ländlichen Gebiete, wo sie versuchten einen Bauernkrieg zu organisieren.
Bauernarmee hielt durch
Der Guerillakampf brachte Führer von bemerkenswertem militärischem Kaliber hervor. Mao Zedong, Zhu De und andere entkamen erfolgreich den mächtigen Streitkräften, die die Kuomintang auf sie hetzte.
Trotz der falschen politischen Linie, die zu einer Reihe von Katastrophen führte, gelang es Mao in einer der bemerkenswertesten militärischen Leistungen der Weltgeschichte, aus Zentral- und Südchina in einen 6.000 Meilen langen Rückzug in die Bergfestungen um Yan’an zu fliehen, wo eine »Sowjet«-Republik gegründet wurde. Dort gelang es ihnen trotz aller Bemühungen des Chiang-Regimes, sie zu vertreiben, sich gegen einen Angriff nach dem anderen zu behaupten. Das Geheimnis ihres Erfolgs lag darin, dass das Land in diesem kleinen Gebiet, das nach einigen Schätzungen etwa 10 Millionen Einwohner umfasste, unter den Bauern aufgeteilt wurde.
Korruptes Chiang-Regime
In der Zwischenkriegszeit bürdete das Chiang-Regime den Arbeitern und Bauern zunehmende Belastungen auf. In manchen Gegenden trieben korrupte lokale Beamte Steuern für 80 Jahre im Voraus ein.
Die militaristische Vergeudung von Reichtum war endlos und das schwächliche Regime der Kuomintang zeigte sich unfähig, einen revolutionären Kampf gegen die imperialistischen Übergriffe Japans zu organisieren.
Das Chiang-Regime entwickelte sich zu einem Hort der Korruption, gestützt auf den Terror der Polizei. Innerhalb von zwei Jahrzehnten entartete es so sehr, dass es selbst in der Mittelschicht weitestgehend an Unterstützung verlor.
Der Krieg veränderte die Situation
Nach dem Zusammenbruch Japans fielen weite Teile der Mandschurei und des Nordens in die Hände der Stalinisten. In der Mandschurei hatten sie eine gewisse Unterstützung der [sowjetischen] Roten Armee, die ihnen dort half, japanische Munition zu erbeuten.
Die chinesische Rote Armee führte während des gesamten Krieges einen Guerillakampf gegen den japanischen Militarismus und befand sich in einer strategisch günstigen Position, um nach dem Zusammenbruch Japans bestimmte Gebiete zu erobern. Selbst während des Krieges war Chiangs hauptsächliche Sorge die soziale Bedrohung im Inneren, durch die Stalinisten und Arbeiter. Wäre es in der späteren Phase des Krieges nicht offensichtlich gewesen, dass Japan besiegt würde, wäre es sehr wahrscheinlich gewesen, dass er kapituliert und einen Kompromiss mit dem japanischen Imperialismus geschlossen hätte.
Ein sterbendes Regime
Der amerikanische Imperialismus half Chiang mit Munition und Ausrüstung und selbst mit direkter militärischer Intervention, als die amerikanische Flotte und Luftwaffe Kuomintang-Truppen in die Mandschurei und nach Nordchina transportierte.
Chiang erzielte anfangs Erfolge, aber alles vergeblich. Er führte ein sterbendes Regime, noch archaischer als das Zarenregime in Russland. So verrottet war sein Regime, dass große Teile der Versorgungsgüter für Gold an die Stalinisten verkauft wurden. Minister und andere Beamte in der Chiang-Regierung steckten einen großen Anteil der Dollar-Hilfen, die von Amerika für den Krieg bereitgestellt wurden, selbst ein. Nur ein geringer Teil der Ausrüstung und Munition erreichte tatsächlich die nationalistischen Truppen an der Front.
Die Militärkommandanten intrigierten unaufhörlich gegeneinander, wie es in allen dem Untergang geweihten Regimen der Fall ist. Chiang selbst blockierte den Nachschub für General Fu Zuoyi (dem einzigen herausragenden, tatsächlich fähigen General auf nationalistischer Seite) aus Angst, er könnte danach streben, ihn zu ersetzen. Die Generäle waren der überlegenen Strategie und Taktik der Roten Armeeführung unterlegen.
Die soziale Frage
Den Hauptgrund für die Siege der chinesischen Stalinisten hat aber schon Mao Zedong benannt: die soziale Frage. »Das Land den Bauern«, wie in der Russischen Revolution. So schallte das Todesurteil der feudalen Großgrundbesitzer und ihres korrupten Regimes. In weiten Teilen haben die chinesischen Stalinisten die Agrarrevolution durchgeführt. Das ist der entscheidende Unterschied zu den Kämpfen von 1927. Das ist der Grund für das Hinwegschmelzen der Armeen, die Chiang zur Niederschlagung der Bauernrebellion einsetzte. Chiangs Armeen bestehen aus Bauern – den ärmsten unter den Bauern – die nicht genug Geld haben, um der Einberufung durch Beamtenbestechung zu entgehen.
»Aneinandergekettet«
Sogar der News Chronicle (11. Dezember 1948) gibt zu:
»In den Rängen der Nationalarmee herrscht Unzufriedenheit. Chiangs Soldaten bekommen 5 Pence im Monat.«
»In manchen Dörfern werden Wehrpflichtige aneinandergekettet in die Barracken geführt und in versperrten Waggons transportiert, sodass sie nicht fliehen können.«
Selbstverständlich desertieren sie in Anbetracht des stalinistischen Agrarprogramms – mitsamt ihren Waffen – teilweise ganze Divisionen.
Das stalinistische Agrarprogramm
Auf der »Agrarkonferenz für Gesamtchina« der KPCh am 13. September 1947 wurde eine Landreform mit den folgenden Maßnahmen vorgeschlagen:
»Artikel 1. Das System der feudalen und halbfeudalen Ausbeutung wird abgeschafft. Das System »das Land dem, der es bestellt« wird eingeführt.
Artikel 2. Der Großgrundbesitz wird abgeschafft.
Artikel 3. Das Recht auf Grundbesitz aller Ahnenheiligtümer, Tempel, Klöster, Schulen, Institutionen und Organisationen wird abgeschafft.
Artikel 4. Alle Schulden, die vor der Landreform auf dem Land entstanden sind, werden gestrichen.«
Artikel 10, der sich direkt an die Soldaten und sogar an die Offiziere der Kuomintang richtet, lautet auszugsweise:
»Abschnitt c. Alle Angehörigen der Volksbefreiungsarmeen, demokratischen Regierungen und aller Volksorganisationen, deren Heimat auf dem Land liegt, sollen für sich und ihre Familien Land und Eigentum erhalten, das dem der Bauern entspricht.
Abschnitt d. Großgrundbesitzer und ihre Familien erhalten Land und Eigentum, das dem der Bauern entspricht.
Abschnitt e. Familien von Offizieren und Soldaten der Kuomintang, Mitgliedern der Kuomintang-Partei und anderem feindlichen Personal, deren Wohnort in ländlichen Gebieten liegt, sollen Land und Eigentum erhalten, das dem der Bauern entspricht.«
Passive Arbeiter
Eine der auffälligsten Merkmale in der Situation in China ist die relative Passivität der Arbeiterklasse. Es stimmt, dass es infolge des Zusammenbruchs der Chiang-Armeen trotz der repressiven Bedingungen zu weit verbreiteten Streikbewegungen in den großen Städten Shanghai, Kanton, Hankou und Nanjing gekommen ist. Es ist jedoch klar, dass die Arbeiter, da es keine Alternative gibt, sich nur hinter die Fahne der Stalinisten stellen können, wenn diese in Richtung der großen Städte am Jangtse vorrücken. Die Arbeiter haben das Regime von Chiang Kai-shek nie unterstützt.
Jeder sozialistische Arbeiter wird die Zerstörung des Feudalismus und Großkapitalismus in dieser wichtigen Region Asiens von ganzem Herzen begrüßen, trotz der stalinistischen Führung. Die langfristigen Folgen sind so bedeutend, wie die der Oktoberrevolution selbst.
Die Sichtweise der Kapitalisten
Eine marxistische Analyse könnte die betrübliche Lage der weltweiten Kapitalistenklasse nicht besser beschreiben, als es die Times am 10. November 1948 getan hat:
»Im besten Fall handelt es sich nur um einen Rückschlag (Xuzhou, das damals von den Nationalisten gehalten wurde und inzwischen gefallen ist) nachdem sich das Kräfteverhältnis militärisch, industriell und ideologisch monatelang zugunsten der Kommunisten verschoben hatte. Ihre zunehmende Kontrolle über weite Teile Nord- und Zentralchinas hat für die Kommunisten eine viel tiefere Bedeutung als die japanische Invasion vor zehn Jahren, denn sie werden entscheidend von Russland unterstützt, sind nach wie vor Marxisten und mobilisieren und organisieren einheimische revolutionäre Kräfte. In ihrer Tragweite und ihren allzu wahrscheinlichen Folgen ist die gegenwärtige Umwälzung eher mit der Russischen Revolution von 1917 zu vergleichen, aus der sie direkt und offensichtlich hervorgeht. Ein größerer Erfolg der chinesischen Kommunisten würde einen größeren Einfluss und zum richtigen Zeitpunkt einen größeren Erfolg für die Macht bedeuten, mit der sie sich verbünden. Die seit langem gehegten Pläne der Sowjetunion, die rückständigen Millionen Asiens in das Lager zu holen, das sich bereits von der Oder bis Sachalin erstreckt, würden damit die bislang größte Verstärkung erhalten.
… Sie können für ihre Divisionen auf die Bauernschaft zurückgreifen und haben sich die Unterstützung der Bauernschaft gesichert, indem sie den Großteil der Grundbesitzer enteignet und das Land neu verteilt haben. Bislang waren die Agrarreformen der Kommunisten umso erfolgreicher, als sie nicht viele große Städte ernähren mussten; die Lebensmittel wurden hauptsächlich in den ländlichen Gebieten behalten.
In einigen Regionen lassen die Kommandanten diejenigen, die als antikommunistisch eingestuft werden, rücksichtslos erschießen oder inhaftieren; in anderen ließ man Gnade walten, ohne dass sich die traditionelle Lebensweise wesentlich verändert hätte. Geschäftsleuten und anderen wurde sogar die Wahl gelassen, zu bleiben oder zu gehen. Diese Toleranz scheint die Politik des äußerst klugen kommunistischen Führers Mao Zedong zu sein. Seine Schriften und Reden zeigen ihn als unerschütterlichen Marxisten, der jedoch erkennt, dass Marx’ Analyse der Möglichkeiten für eine Revolution im industriellen Europa des letzten Jahrhunderts nicht ohne Weiteres auf den überwiegend landwirtschaftlichen und primitiven Zustand eines Großteils Chinas übertragen werden kann. Er scheint beschlossen zu haben, sein kommunistisches Ziel in zwei Etappen zu erreichen. Zunächst soll ein System des relativ freien Handels eingeführt werden, ähnlich der Neuen Ökonomischen Politik, die Lenin nach dem anfänglichen Scheitern des Kriegskommunismus in Russland eingeführt hatte. Diese Phase verkündet er derzeit in der Hoffnung, nicht nur die Bauern für sich zu gewinnen, sondern auch die Ängste vieler Stadtbewohner zu zerstreuen – und das nicht ohne Erfolg. Sobald die erste Phase abgeschlossen ist, plant er den weiteren Schritt zum marxistischen Sozialismus.«
Die Referenzen auf den Marxismus und die kommunistische Politik Maos sind selbstverständlich falsch. Die Politik des Stalinismus in Russland, Osteuropa und China wird von allen heutigen bürgerlichen Journalisten als marxistisch betitelt. Sie sind aber eine Perversion des Marxismus. Dennoch erkennt die Times, dass die Taktik der chinesischen Stalinisten jener der Stalinisten in Osteuropa gleichen wird.
Zwei Seiten einer Medaille
Zwar ist die Zerstörung des Feudalismus in China zu begrüßen, doch muss betont werden, dass unter der Führung der Stalinisten nur eine schreckliche Karikatur der marxistischen Vorstellung der Revolution entstehen wird. Es wird sich keine echte Demokratie entwickeln, sondern ein totalitäres Regime, das ebenso brutal sein wird, wie das von Chiang Kai-shek. Wie die Regime in Osteuropa wird Mao sich Russland als Vorbild nehmen. Zweifellos werden enorme wirtschaftliche Fortschritte erzielt werden. Aber die Massen, sowohl die Arbeiter als auch die Bauern, werden sich von der Bürokratie geknechtet sehen.
Die Stalinisten integrieren ehemalige Angehörige des Feudalmilitärs, kapitalistische Elemente und die bürokratische Beamtenschaft in den Städten in ihr Regime, die dann privilegierte Positionen und Machtpositionen einnehmen werden.
Die Rückständigkeit der Wirtschaft, die starke Differenzierung der Bauernschaft (wie nach der Russischen Revolution während der NEP-Phase), die mit der fehlenden Verstaatlichung des Grund und Bodens noch verstärkt wurde, könnten dazu führen, dass kapitalistische Elemente im Handel und der Leichtindustrie die Basis für eine kapitalistische Konterrevolution bilden. Das Proletariat in China ist im Verhältnis zur Bauernschaft schwächer als es in Russland während der NEP der Fall war, da China überhaupt wirtschaftlich rückständiger ist. Selbst in der Tschechoslowakei und anderen osteuropäischen Ländern, wo die kapitalistischen Elemente relativ schwächer waren, bestand dennoch eine Zeit lang die Gefahr eines kapitalistischen Umsturzes. Dass die Arbeiter und Bauern keine demokratische Kontrolle haben werden und dass die totalitäre Tyrannei von der asiatischen Barbarei und Grausamkeit des alten Regimes überlagert sein wird, lässt diese Möglichkeit zu. Es scheint jedoch wahrscheinlich, dass die kapitalistischen Elemente aufgrund der historischen Tendenz des kapitalistischen Niedergangs auf weltweiter Ebene besiegt werden. Die Ohnmacht des Weltimperialismus zeigt sich darin, dass er 1925–1927 noch direkt gegen die chinesische Revolution intervenierte, heute aber hilflos dem Zusammenbruch des Chiang-Regimes zusieht.
Wahrscheinlich ist aber, dass Stalin es mit einem neuen Tito zu tun bekommt. Die scharfsinnigeren der bürgerlichen Schreiberlinge spekulieren bereits darauf, auch wenn ihnen das ein schwacher Trost ist. Mao wird in China eine mächtige Basis haben, mit einer Bevölkerung von 450–500 Millionen, den potenziellen Ressourcen des Landes und der zweifellosen Massenunterstützung, die sein Regime in seiner Frühphase genießen wird. Die Konflikte, die sich auftun werden, sollten der Arbeiterklasse weltweit helfen, die wahre Natur des Stalinismus zu begreifen.
Ein verändertes Kräfteverhältnis
Das weltweite Kräfteverhältnis verändert sich entscheidend. Die Auswirkungen der Chinesischen Revolution, wie entstellt sie auch sein mag, werden unweigerlich den Weg für Umwälzungen in Asien ebnen, das bereits von kolonialen Befreiungskriegen und Bürgerkriegen heimgesucht wird. Der Imperialismus wird irreparabel geschwächt werden.
Vor vielen Jahrzehnten schrieb Marx, dass die Revolution in China den Zusammenbruch des Kapitalismus in Europa ankündigen könnte. Der Autor des Leitartikels im Daily Telegraph vom 30. November schrieb mit einer Vorahnung über die Auswirkungen der chinesischen Revolution auf Westeuropa:
»Selbst die Niederlage der kommunistischen Anstrengungen, die Kontrolle über Westeuropa zu erlangen, könnte den Verlust Chinas mit seiner immensen Bevölkerung und seinem wertvollen industriellen Potenzial in der Mandschurei kaum kompensieren.«
In Shanghai, Kanton und anderen großen Städten konnten die Trotzkisten Arbeitergruppen aufbauen, die großen Einfluss in manchen illegalen Gewerkschaften haben. Sie bleiben den Prinzipien von Marx und Lenin treu. Sie begründen jene Tradition der marxistischen Bewegung, die auf lange Sicht den revolutionären Sturz des bürokratischen stalinistischen Regimes und den Aufbau eines gesunden Arbeiterstaats bedeutet, in dem die demokratische Kontrolle in den Händen der Massen liegen wird.